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Finsterberg


"Daß ich wieder singen und jauchzen kann,

Das alle Lieder geraten,

Verdank ich nur den Streifen im Tann,

den stillen Hochwaldpfaden.“

Viktor Scheffel

 

Der „Große Finsterberg“ (2888 Fuß, 944,2 Meter) nimmt unter den Bergriesen des Thüringer Waldes den dritten Platz ein.

Auf einem vorspringenden Felsaltar seines Gipfels steht ein Pirschhaus aus dessen Fenstern sich ein großartiger Rundblick über die Berghäupter des Waldes, über schweigende Täler und grüne Bergmatten mit dem einsamen Gasthause der Schmücke, vom Turm des Kyffhäusers im Norden bis zu dem alten Bischofssitz Bamberg im Süden erschließt. Wie der Finsterberg ein Wanderziel frischer Bergsteiger bildet, so auch zuweilen noch manch fröhlicher Gesellschaft von Schmiedefeldern oder Stützerbachern, welche hier oben bei Gesang und heiterem Becherklang die Schönheit der grünen Heimat bewundern und dankbar feiern.

August Trinius 1886

Der „Große Finsterberg“ stammt aus der bewegten Zeit des „Rotliegenden“. Er war mal ein einst tätiger Vulkan mit mächtigen Lavaausbrüchen, Ascheregen und den übrigen Schrecken feuerspeiender Berge. In der „Rotliegenden Zeit“ verkohlten in zahlreichen abflußlosen schlammigen Tümpeln Schachtelhalme und Rippenfarne, wie sie vor 270 Millionen Jahren hier wuchsen. Abdrücke von Pflanzen kann man aus dieser Zeit noch heute in den alten Ablagerungen ( Bingen) aus dem Steinkohlenabbau finden, wie sie auch in den Manebacher Schichten zu finden sind. Man erreicht vom Rennsteig aus, nach allmählicher, zuletzt starker Steigung (1 km) den Gipfel des „Großen Finsterberges“. Helle Porphyrtrümmer übersäen den Weg und bezeugen die Härte des Bergkopfes. Seine Hangquellen speisen nach Südwesten die Lauter und die Hasel, nach Südost die Nahe und Schleuse, nach Norden die Taubach und Ilm.

Der große Finsterberg gilt als natürlicher Standort eines reinen Fichtenbergwaldes, des Woll- Reitgras- Fichtenwaldes ( Calanagrostio villosae Piceetum ), der natürlichen Waldgesellschaft der Hochlagen des Thüringer Waldes. Das Erscheinungsbild des Wollreitgras- Fichtenwaldes wird durch die Fichte geprägt; als Baumarten treten neben der Fichte, die Eberesche, vereinzelt Rotbuche und ursprünglich wohl auch die Tanne auf. Am Rennsteig, nördlich des großen Finsterberges sind einzelne Vorkommen der autochthonen Höhenfichte zu verzeichnen.

Eine Strauchschicht fehlt oder ist unvollständig ausgebildet. Der Waldboden ist von einer dichten Vegetationsdecke bedeckt. Das wollige Reitgras dominiert. Daneben sind Heidelbeere, Preiselbeere, Waldwachtelweizen, verschiedene Moose und Farne zu finden. Typischer Vertreter bei den Bodenpflanzen dieser Waldgesellschaft sind Europäische Siebenstein, Harzlabkraut und Rippenfarn. Überwiegend an den Wegrändern und auf den Lichtungen wachsen Roter Fingerhut, Fuchssches Kreuzkraut und Himbeere.

Die Berg- oder Waldeidechse, sie erreicht eine Größe bis zu 20 cm, kann man an Wegrändern und anderen besonnten Stellen entdecken. Sie ist unsere einzige lebendgebärende Eidechse. Der Rothirsch hat hier am Finsterberg sein Einstandsgebiet.

Auf dem kleinen Plateau hat sich eine besondere Bergwiesenvegetation magerer bis frischer Ausprägung herausgebildet mit: Magerritte, Bärenwurz, Ähriger, Teufelskralle, rundblättriger Glockenblume, gemeinem Kreuzblümchen, Waldehrenpreis ( echter Ehrenpreis ), Gamanderehrenpreis, Johanneskraut und scharfer Hahnenfuß.

Bei den Schmiedefeldern genießt der „Große Finsterberg“ Achtung und Ansehen. Er ist der Wetterprophet für den Ort; nach ihm richten sich die fragenden Blicke, wenn es in den Wald gehen soll, wenn Geschäft oder Vergnügen hinab in eine der drei nachbarlichen Städte am Gebirgsfuße - Ilmenau, Schleusingen, Suhl führen soll. Vor allem aber macht ihn seine einsame Größe zum Herrn dieser Gegend.

Der „Große Finsterberg“ und das umliegende Gebiet sind prachtvolle Wandergebiete. Es ist auch für jeden Wintersportler, ob Anfänger oder Fortgeschrittener , ein wunderbares Skigelände.

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