Der Große Finsterberg (2888 Fuß, 944,2
Meter) nimmt unter den Bergriesen des Thüringer Waldes den dritten
Platz ein.
Auf einem vorspringenden Felsaltar seines Gipfels steht ein
Pirschhaus aus dessen Fenstern sich ein großartiger Rundblick
über die Berghäupter des Waldes, über schweigende Täler
und grüne Bergmatten mit dem einsamen Gasthause der Schmücke,
vom Turm des Kyffhäusers im Norden bis zu dem alten Bischofssitz
Bamberg im Süden erschließt. Wie der Finsterberg ein Wanderziel
frischer Bergsteiger bildet, so auch zuweilen noch manch fröhlicher
Gesellschaft von Schmiedefeldern oder Stützerbachern, welche
hier oben bei Gesang und heiterem Becherklang die Schönheit der
grünen Heimat bewundern und dankbar feiern.
August Trinius 1886
Der Große Finsterberg stammt aus der bewegten Zeit
des Rotliegenden. Er war mal ein einst tätiger Vulkan
mit mächtigen Lavaausbrüchen, Ascheregen und den übrigen
Schrecken feuerspeiender Berge. In der Rotliegenden Zeit
verkohlten in zahlreichen abflußlosen schlammigen Tümpeln
Schachtelhalme und Rippenfarne, wie sie vor 270 Millionen Jahren hier
wuchsen. Abdrücke von Pflanzen kann man aus dieser Zeit noch
heute in den alten Ablagerungen ( Bingen) aus dem Steinkohlenabbau
finden, wie sie auch in den Manebacher Schichten zu finden sind. Man
erreicht vom Rennsteig aus, nach allmählicher, zuletzt starker
Steigung (1 km) den Gipfel des Großen Finsterberges.
Helle Porphyrtrümmer übersäen den Weg und bezeugen
die Härte des Bergkopfes. Seine Hangquellen speisen nach Südwesten
die Lauter und die Hasel, nach Südost die Nahe und Schleuse,
nach Norden die Taubach und Ilm.
Der große Finsterberg gilt als natürlicher Standort eines
reinen Fichtenbergwaldes, des Woll- Reitgras- Fichtenwaldes ( Calanagrostio
villosae Piceetum ), der natürlichen Waldgesellschaft der Hochlagen
des Thüringer Waldes. Das Erscheinungsbild des Wollreitgras-
Fichtenwaldes wird durch die Fichte geprägt; als Baumarten treten
neben der Fichte, die Eberesche, vereinzelt Rotbuche und ursprünglich
wohl auch die Tanne auf. Am Rennsteig, nördlich des großen
Finsterberges sind einzelne Vorkommen der autochthonen Höhenfichte
zu verzeichnen.
Eine Strauchschicht fehlt oder ist unvollständig ausgebildet.
Der Waldboden ist von einer dichten Vegetationsdecke bedeckt. Das
wollige Reitgras dominiert. Daneben sind Heidelbeere, Preiselbeere,
Waldwachtelweizen, verschiedene Moose und Farne zu finden. Typischer
Vertreter bei den Bodenpflanzen dieser Waldgesellschaft sind Europäische
Siebenstein, Harzlabkraut und Rippenfarn. Überwiegend an den
Wegrändern und auf den Lichtungen wachsen Roter Fingerhut, Fuchssches
Kreuzkraut und Himbeere.
Die Berg- oder Waldeidechse, sie erreicht eine Größe bis
zu 20 cm, kann man an Wegrändern und anderen besonnten Stellen
entdecken. Sie ist unsere einzige lebendgebärende Eidechse. Der
Rothirsch hat hier am Finsterberg sein Einstandsgebiet.
Auf dem kleinen Plateau hat sich eine besondere Bergwiesenvegetation
magerer bis frischer Ausprägung herausgebildet mit: Magerritte,
Bärenwurz, Ähriger, Teufelskralle, rundblättriger Glockenblume,
gemeinem Kreuzblümchen, Waldehrenpreis ( echter Ehrenpreis ),
Gamanderehrenpreis, Johanneskraut und scharfer Hahnenfuß.
Bei den Schmiedefeldern genießt der Große Finsterberg
Achtung und Ansehen. Er ist der Wetterprophet für den Ort; nach
ihm richten sich die fragenden Blicke, wenn es in den Wald gehen soll,
wenn Geschäft oder Vergnügen hinab in eine der drei nachbarlichen
Städte am Gebirgsfuße - Ilmenau, Schleusingen, Suhl führen
soll. Vor allem aber macht ihn seine einsame Größe zum
Herrn dieser Gegend.
Der Große Finsterberg und das umliegende Gebiet
sind prachtvolle Wandergebiete. Es ist auch für jeden Wintersportler,
ob Anfänger oder Fortgeschrittener , ein wunderbares Skigelände.
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